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Wenn der Welpe zwickt & zwackt

Hände, Füsse, Ärmel oder Schnürsenkel – bei einem Welpen ist alles potenzielles Spielzeug. Das kann schmerzhaft sein und frustrieren, gehört aber in den meisten Fällen zum normalen Lernprozess. Entscheidend ist, wie Sie reagieren, damit Ihr Welpe lernt, wann Beissen erlaubt ist. Und wann nicht.


Warum Welpen alles anknabbern wollen

Welpen entdecken die Welt mit dem Mund. Bevor sie Wörter oder Regeln verstehen, testen sie alles, was sie erreichen können. Dazu kommt das Zahnen: Der kleine Kiefer juckt und alles, was greifbar ist, wird untersucht und gekaut.


Spiel ist dabei ein wichtiger Lehrer. Unter Wurfgeschwistern lernen Welpen, ob und wie stark sie zubeissen dürfen: Zu hart? Der andere schreit (quietscht? jault?) und zieht sich zurück. Oder haben sich die Zähnchen nur leicht im Fell des anderen verfangen? Dann geht das Spiel sicher weiter. Dieses Training der Bisshemmung ist die Grundlage dafür, dass Ihr Hund später sicher mit Artgenossen und Menschen umgehen kann.


Rassespezifische Veranlagungen können jedoch durchaus auch eine Rolle spielen. Für den Border Collie z. B. ist das Ins-Bein-Zwicken ein genetisch vorprogrammiertes Instrumentarium, das er bei seinem Job als Schafhüter benötigt. Retriever und andere Apportierhunde wiederum nehmen gern alles in den Mund, denn wie sonst sollen sie ihrer züchterischen Bestimmung nachkommen. Kommen dann noch Faktoren wie Müdigkeit, Langeweile oder Überreizung hinzu, kann ein normales Nippen schon mal in hektischem Schnappen münden.


Warum Strafen nach hinten losgehen

Eins vorweg: Welpen beissen nicht aus Dominanz oder Trotz. Wer das als Machtkampf interpretiert und es ihm mit gleicher (falscher) Münze heimzahlt, verstärkt das Problem eher.


Ratschläge aus den schlechten alten Zeiten strafbasierten Hundetrainings wie „Halte dem Welpen das Maul fest zu“, „Dreh ihn auf den Rücken“ oder ähnliches funktionieren nicht. Punkt. Statt Selbstkontrolle erzeugen sie nur Angst und Stress. Und solch negativer Stress ist der grösste Hemmer von Lernfähigkeit, da Stresshormone wie Cortisol das Arbeitsgedächtnis, die Konzentration und die Informationsaufnahme beeinträchtigen .Ein verängstigter Welpe kann also weniger lernen, reagiert defensiv und beisst vielleicht schlussendlich noch härter zu.


Was Welpen wirklich brauchen, sind klare Regeln, ruhige Konsequenz und vorhersehbares Feedback.


Beisshemmung vermitteln: So geht's


Was würde ein Hund tun?

Im Idealfall lernen Welpen sanftes Beissen von ihren Wurfgeschwistern. Ist kein fellnasiger Spielpartner zur Hand, übernehmen Menschen übernehmen diese Rolle. Zwicken die spitzen Zähnchen das nächste Mal, reagieren Sie auf eine Art, die Ihr Welpe auch trotz seinem noch begrenzten Lebenserfahrungsschatzes versteht: laut, mit unmissverständlicher Geste und konsequent.

  • Rufen Sie laut und eher in hohem Tonfall „Aua!“ oder "Autsch!" (Dies wird Ihnen bei schmerzhaftem Zwacken sicher problemlos und authentisch über die Lippen kommen.)

  • Sofort das Spiel unterbrechen: Verschränken Sie die Arme und wenden sich leicht von ihm ab.

  • Lässt der Welpe nicht locker und kommt immer wieder von allen Richtungen mit Beissabsicht auf Sie zu, stoppen Sie ihn bestimmt, aber sanft von sich. Aber Achtung: kein heftiges Fortstossen! Kein Bodycheck! Ein schlichtes "Stop"-Zeichen durch die erhobene Handfläche, in die der Welpe in seinem Eifer von selbst hineinprallt, zeigt ihm Ihre Stimmung: Jetzt möchte ich dich nicht in meiner Nähe haben!

  • Keine Schimpferei, keine Handgreiflichkeiten! Aufgeregte Bewegung verheissen aus Welpensicht in der Regel noch mehr Spass und wecken im Zweifel seinen Jagdtrieb. In der Ruhe liegt, wie so oft im Leben, die Kraft.

  • Seien Sie konsequent. Wiederholen Sie diese Reaktion bei jedem Beissversuch und Ihr Welpe wird rasch verstehen: Zahneinsatz = Das Spiel ist aus!


Alternativen anbieten

Bieten Sie geeignetes Spielzeug an, bevor die Aufregung zu gross wird. Lenken Sie den Welpen gezielt von Ihren Händen auf weiches Kauspielzeug um. So lernt er: Spielzeug ist zum Beißen da, Menschen nicht.


Total aufgedreht

Jeder Welpe hat Momente, in denen wir seinen "Aus"-Knopf vergeblich suchen. Kleidung wird attackiert, Hände zerkratzt, Kissen geschreddert. Das passiert meist bei Müdigkeit oder Überreizung. Das kleine Hirn hat hitzefrei. Sorry, Lernen ist jetzt nicht möglich. Da hilft nur Umgebungswechsel:

  • Bringen Sie den Welpen in seinen eigenen sicheren Bereich (den Sie für ihn als solchen etabliert haben sollten), d. h. einen ruhigen Raum oder seine Box.

  • Bieten Sie ihm stressregulierendes Spielzeug oder einen geeignete Kausnack an, z. B. einen gefüllten Kong) bringen.

  • 10–15 Minuten Ruhe helfen, dass er sich wieder reguliert.


Routine und Selbstregulation

Welpen lieben Vorhersehbarkeit. Ein Tagesablauf mit strukturiertem Spiel, Training, Kau- und Ruhephasen hilft, ihr Nervensystem zu regulieren. Gut ausgeruhte Welpen, die passende Kau- und Beschäftigungsmöglichkeiten haben, beissen weniger. Nicht, weil sie „braver“ sind, sondern weil ihre Bedürfnisse erfüllt werden.


Positives Verhalten bestärken

Beobachten Sie, wann Ihr Welpe sich erwünscht verhält: Wenn er sanft spielt, ruhig und einfach nur unglaublich niedlich herumliegt oder ein Spielzeug wählt statt Ihrer Hände. Ruhiges zufriedenes Murmeln in seine Richtung stärken genau dieses Verhalten. (Unser Tipp: Bereits als Lob etablierte Worte wie "super" oder "so ist fein" sollten in diesen ruhigen Situationen vermieden werden, da dies oft in Erwartung einer Futterbelohnung die Erregung sofort ansteigen lässt.) Verhaltensweisen, bei denen sich Hunde sicher und wohlfühlen, wiederholen sich.


Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Die meisten Welpenbisse gehören zum Aufwachsen wie der Punkt zum Dalmatiner. Professionelle Unterstützung sollte jedoch dann in Erwägung gezogen werden, wenn Ihr Welpe:

  • knurrt, schnappt oder beisst, um Ressourchen (z. B. Futter oder Spielzeug) zu verteidigen

  • vor dem Beissen starr wird oder sich versteift

  • wiederholt Haut verletzt

  • Angst- oder Aggressionsreaktionen zeigt

  • Kinder beisst

Frühzeitige Hilfe verhindert, dass aus kleinen Probleme langfristige Herausforderungen werden.


Fühlen Sie sich überfordert vom Beissverhalten Ihres Welpen? Ich helfe Ihnen gerne, einen klaren, sanften Plan zu entwickeln, der Beisshemmung und entspanntes Spielen fördert.

 
 
 

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