Darf's auch ein bisschen weniger sein?
- Barbara Thoma
- 11. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Manche Hunde wirken wie kleine Motoren: immer an, immer in Bewegung, immer bereit. Doch ständige Aktivität ist nicht automatisch gut – zu viel Anspannung kann ängstliche, fordernde und frustrierte Hunde erzeugen und die Besitzer am Ende komplett erschöpfen. Manchmal ist der klügste Schritt, einfach einen Gang runterzuschalten.

Daueraction = Daueralarm
Viele Halter von Arbeitsrassen glauben, dass nur dauerhafte Beschäftigung ihre Hunde zufriedenstellt. Stellen Sie sich einen Border Collie vor, der um 6:30 Uhr schon voll auf Start ist: Apportieren, Rennen, Zerrspiele, Training, Toben ... und das Ganze wiederholt sich in Endlosschleife. Jeder Versuch, Ruhe hereinzubringen, wird mit Stupsen, Bellen oder drängenden Augen beantwortet. Sie halten Schritt, doch bis zum Abend sind Sie völlig platt, und der Hund ist immer noch voller Energie!
Das ist eine typische Verhaltensfalle: Dauerhafte Hochspannung hält das Nervensystem im „Alarmmodus“. Adrenalin wird zum Normalzustand, Entspannung zur Ausnahme. Der Gedankengang „mehr Bewegung = weniger Energie“ verstärkt daher Reaktivität, Forderungen und Frustration in einer selbstverstärkenden Spirale. Warum selbstverstärkend? Weil Spielen, Bellen und Jagen der Fellnase natürlich einen Kick verleihen. Aus diesem Teufelskreis heraus kommen Sie nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern nur mit Bedacht und im Rückwärtsgang.
Hunde brauchen Abwechslung
Wie Menschen profitieren Hunde davon, zwischen verschiedenen Zuständen zu wechseln. Sie brauchen:
Körperlich fordernde Action: Spielen, Training, Apportieren, Agility
Entspannungsfördernde Beschäftigung: Schnüffeln, Kauen, Beobachten, Ausruhen
Gelegenheiten zur Selbstregulation: Lernen, Impulse und Emotionen zu kontrollieren
Ohne diese ruhigeren Phasen können Hunde keine Selbstregulierung und Gelassenheit üben. Ihre emotionale Baseline verschiebt sich in Richtung "Stress". Studien zu chronischer Erregung bei Hunden zeigen : Eine solche dauerhaft hohe Stimulation verringert kognitive Flexibilität, Konzentrations- und Lernfähigkeit. Verhalten wird starr, wiederholend und fordernd. Frust zeigt sich übergangslos als Bellen, Anspringen, zerstörerisches Kauen oder ständige Aufmerksamkeitssuche.
Vom Suchen und Findern der inneren Balancen
Der Schlüssel ist, Ihrem Hund zu zeigen, dass Aufregung und Ruhe zwei Seiten derselben Medaille sind. Eine abwechslungsreiche Routine lässt das Nervensystem zwischendurch durchatmen:
Selbstständigkeit fördern: Ihr Hund lernt, sich allein zu beschäftigen und zu entspannen.
Vorhersehbare Tagesstruktur: Spiel, Erkundung und Ruhezeiten signalisieren klare Übergänge.
Unruhesignale beachten: Stupsen, Bellen, unruhiges Herumlaufen? Helfen Sie, ihrem Hund, runterfahren, bevor die Emotionen übersprudeln.
Ruhiges Verhalten belohnen: Liegenbleiben, entspanntes Beobachten, selbstständiges Spielen.
Mentale Stimulation statt Daueraction: Suchspiele, Denkaufgaben oder Wahlmöglichkeiten, ohne das Nervensystem zu überlasten.
Schlussgedanken
Ist Ihr Hund ständig „high“, fordernd oder reaktiv? Ich helfe ich Ihnen gerne dabei, die Formel "Weniger Erschöpfung + weniger Frust = mehr Freude an gemeinsamen Momenten" in Ihrem Alltag umzusetzen.




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